Aktueller Sachstand

Räumungsoptionen werden weiter konkretisiert

Ahaus-Option: Genehmigung zur Einlagerung der AVR-Brennelemente erteilt

Auch Transport in die USA und ein Neubau in Jülich werden weiterhin geprüft – Entscheidung offen

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat dem Betreiber des Zwischenlagers in Ahaus, der GNS Gesellschaft für Nuklear-Service mbH (GNS), im Juli 2016 die Genehmigung nach § 6 des Atomgesetzes (AtG) für die Einlagerung der derzeit in Jülich lagernden 152 Behälter vom Typ CASTOR® THTR/AVR erteilt. Für einen Transport der Behälter von Jülich nach Ahaus ist darüber hinaus eine Transportgenehmigung nach § 4 AtG erforderlich. Wann mit der Erteilung dieser Genehmigung gerechnet werden kann, ist noch offen.

Parallel werden auch die Optionen einer Rückführung der AVR-Brennelemente in die USA und ein möglicher Neubau eines Zwischenlagers am Standort Jülich weiterhin geprüft. Bis zur abschließenden Klärung, welche der drei Optionen am schnellsten realisiert werden kann, ist es das Ziel der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen mbH (JEN) als Besitzerin der AVR-Brennelemente, alle Optionen offen zu halten und weiter zu konkretisieren. Die tatsächliche Entscheidung über den weiteren Verbleib der AVR-Brennelemente trifft die JEN in enger Abstimmung mit dem Wirtschaftsministerium NRW als zuständige Atomaufsicht.

Hintergrund:

Nach dem Ende der bis zum 30.06.2013 befristeten Genehmigung für die Lagerung in Jülich hatte das Wirtschaftsministerium NRW als zuständige Atomaufsicht im Juli 2014 die unverzügliche Entfernung der AVR-Brennelemente aus dem bisherigen Jülicher Zwischenlager angeordnet. Die JEN verfolgt seitdem zur Umsetzung drei Optionen: Die Verbringung der AVR-Brennelemente in die USA, die Zwischenlagerung in Ahaus und den Neubau eines Zwischenlagers in Jülich.

Das damals noch für die AVR-Brennelemente verantwortliche Forschungszentrum Jülich hatte im Oktober 2014 fristgerecht ein Detailkonzept zur Räumung des AVR-Behälterlagers bei der Atomaufsicht (Wirtschaftsministerium NRW) eingereicht; die vorbereitenden Arbeiten für die Räumung werden seitdem von der JEN kontinuierlich und intensiv weiterverfolgt.

Unter der atomrechtlichen Vorgabe der unverzüglichen Entfernung der Kernbrennstoffe aus dem AVR-Behälterlager wurde bereits im Detailkonzept auf zeitliche Unwägbarkeiten bei allen drei Optionen (USA, Ahaus, Neubau) hingewiesen.

Weitere Informationen:

In einem Zwischenlager der JEN in Jülich lagern 288.161 kugelförmige Brennelemente in 152 Castoren. Die AVR-Brennelemente stammen aus dem 1988 abgeschalteten AVR-Versuchsreaktor.

Das Zwischenlager Jülich (AVR-Behälterlager) war gemäß § 6 Atomgesetz befristet bis zum 30. Juni 2013 genehmigt. Das Forschungszentrum Jülich – als bis September 2015 verantwortliche Einrichtung – beantragte bei der zuständigen Genehmigungsbehörde, dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), eine Verlängerung der Genehmigung zur Aufbewahrung in Jülich. Als Voraussetzung für die Erteilung dieser Genehmigung sind insbesondere Nachweise zum Prüfpunkt Erdbebensicherheit nach aktuellem Stand von Wissenschaft und Technik zu erbringen.

Um diesen Nachweis zu führen, hatte das Forschungszentrum externe Sachverständige mit den hierfür geforderten komplexen Untersuchungen und Berechnungen beauftragt. Sie kamen nach aufwendigen Erkundungsarbeiten des Untergrundes zu dem Ergebnis, dass der geforderte Nachweis der Erdbebensicherheit für das derzeitige Zwischenlager nicht mit standardisierten Verfahren erbracht werden kann. Die maßgebliche technische Regel fordert in einem solchen Fall weiterführende Untersuchungen, welche derzeit im Auftrag der JEN durchgeführt werden.

Um den Eintritt eines genehmigungslosen Zustands nach dem 30. Juni 2013 zu verhindern, hatte die zuständige Atomaufsichtsbehörde des Landes Nordrhein-Westfalen, das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk (Wirtschaftsministerium NRW), dem Forschungszentrum Jülich zunächst zwei atomrechtliche Anordnungen zur weiteren Aufbewahrung der AVR-Brennelemente im bestehenden Zwischenlager auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich erteilt.

Am 2. Juli 2014 schließlich hat das Wirtschaftsministerium NRW eine atomrechtliche Anordnung zur unverzüglichen Entfernung der AVR-Brennelemente aus dem bestehenden AVR-Behälterlager erlassen. In ihrer Begründung weist die Atomaufsicht darauf hin, dass ihr das BfS als zuständige Genehmigungsbehörde mitgeteilt habe, dass aufgrund neuer Erkenntnisse zur Erdbebensicherheit eine Prognose zum Abschluss des laufenden Genehmigungsverfahrens nicht mehr möglich sei. Deshalb ergebe sich jetzt die Notwendigkeit zur Anordnung der Räumung.

Das Forschungszentrum Jülich war daraufhin verpflichtet, ein Konzept zur Entfernung der AVR-Brennelemente aus dem AVR-Behälterlager vorzulegen. Das Konzept wurde der Atomaufsicht fristgerecht im Oktober 2014 übergeben.

Mit der Bündelung der Nuklearkompetenzen von Forschungszentrum Jülich und der AVR GmbH zum 01.September 2015 in die neue Gesellschaft JEN ist auch die atomrechtliche Anordnung auf die JEN übergegangen. Diese ist somit bis zur Entfernung aller AVR-Brennelemente aus dem AVR-Behälterlager zum Besitz der Kernbrennstoffe berechtigt. Die weitere sichere und rechtskonforme Lagerung der AVR-Brennelemente ist damit gewährleistet.

Das Detailkonzept beschreibt ausführlich die folgenden drei Optionen: